LYC weiht offiziell das Dach am Mövenstein ein

Ein großartiger Anblick

Nach jahrelanger Planung und einer rekordverdächtigen Bauzeit hat das Gebäude der ehemaligen Seebadeanstalt und jetzigen Jollen- und Katamranstation des Lübecker YC in Travemünde ein neues Dach erhalten. Am Freitag wurde die helle 520 m² große Bedachung des weißen Gebäudes offiziell eingeweiht. 170.000 Euro hat die Eindeckung mit Holzschindeln gekostet. Ein Betrag, der nur durch die Unterstützung der Possehl-Stiftung, der gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck sowie des Landessportverbandes und der Hansestadt Lübeck (Fachbereiche Denkmalpflege sowie Schule und Sport) zu stemmen war.
 
„Die Anlage ist jetzt noch schöner als vorher“, erfreute sich die LYC-Vorsitzende Andrea Varner-Tümmler an dem Anblick der Schindeln aus „Yellow Cedar“. „Gerade aus der Ferne erstrahlt das Gebäude noch heller, ist noch präsenter.“ Ihr Dank ging an die großzügigen Geldgeber, ohne die der Club das Vorhaben nicht hätte leisten können, und an die Clubmitglieder Dr. Eberhard Lassen (LYC-Schatzmeister), Dr. Andreas Behem (stellv. LYC-Vorsitzender für den Bereich Mövenstein) und Stefan Bruns (Architekt). Nur durch ihren unermüdlichen Einsatz konnte die Neu-Bedachung realisiert werden.

Titus Jochen Heldt von der Sparkassenstiftung betonte, dass die Stiftung dieses Projekt gern unterstützt habe: „Aus Bauvorhaben haben wir uns eigentlich weitgehend zurückgezogen. Aber dies ist ein ganz besonderes Gebäude, und der LYC ist uns als sehr seriöser Verein bekannt. Daher passte es von Anfang an. Und es ist wirklich ein toller Anblick – eine großartige Sportstätte.“

Dr. Eberhard Lassen erweckte noch einmal die Vergangenheit des fast 100-jährigen Gebäudes (Baujahr 1925) zum Leben und berichtete von der intensiven Planung und Vorarbeit, bis Anfang März tatsächlich mit der Neueindeckung und damit des Ersatzes der rund 25 Jahre alten Schindeln begonnen werden konnte. Dabei standen Holzschindeln nach zunächst anderen Überlegungen nicht in Frage, wurden zudem vom Fachbereich für Denkmalpflege empfohlen.

Allein ein auf dieses Vorhaben spezialisiertes Unternehmen zu finden, war nicht einfach. Die Firma Fischer aus Münzow/Leizen an der Müritz erwies sich dann aber als der perfekte Partner. In elf Wochen statt der geplanten vier Monate wurden die Arbeiten abgeschlossen. Als Baumaterial wurden Zedernholz gewählt, das – so Eberhard Lassen – der „Rolls Royce“ unter den Schindeln sein soll. Mit guter Pflege ist nun eine Lebensdauer von über 40 Jahren geplant.

Jetzt fehlt den Katamaran- und Jollenseglern am Mövenstein nur noch ein Wellenbrecher vor der Anlage zum kompletten Glück. Dann wäre auch ein Aus- und Einlaufen bei strammen Nordost-Wind möglich. „Hier sind wir am Ball. Dabei ist vor allem das Land Schleswig-Holstein gefragt“, so Eberhard Lassen.

Ralf Abratis

Das Gebäude der Seebadeanstalt Möwenstein wurde 1925 von dem Lübecker Stadtbaurat Viereck aus Holz und Ziegel errichtet und mit Holz-Schindeln gedeckt. Es ist die letzte erhaltene Anlage dieser Art und steht deshalb unter Denkmalschutz. Die Badeanstalt als solche ist seit längeren Jahren nicht in Betrieb, das Gelände, insbesondere das darauf befindliche Gebäude, hat jedoch prägenden Charakter in Erscheinungsbild und für die Tradition des Seebades Lübeck Travemünde.

Noch unter der Bewirtschaftung der Hansestadt Lübeck wurde 1992 mit Hilfe der Possehl-Stiftung das Dach mit Holz-Schindeln neu gedeckt.

1994 hat der Lübecker Yacht-Club e.V. das etwa 14.000 m² große Gelände von der Hansestadt Lübeck als Erbpachtgrundstück erworben und mit Hilfe der Possehl-Stiftung zum Katamaran- und Jollenzentrum mit zahlreichen Liegeplätzen und einer stabilen Rampenanlage als Bootszugang zum Wasser umgebaut. Das Gebäude wurde damals grundlegend saniert. Es enthält Clubräume mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten, Sanitäranlagen und Abstellräume für Segelmaterial.

Die Anlage dient auch unseren fortgeschrittenen jugendlichen Seglern als Trainings- und Ausbildungszentrum auf dem offenen Seerevier. Außerdem wird die Anlage während der jährlich stattfindenden Travemünder Woche intensiv genutzt.

Die Holz-Schindeln des 520 m² großen Satteldaches waren jetzt sanierungsbedürftig. Besonders die Nordhälfte zeigte große Schäden durch Vermosung und Fäulnis, bedingt durch die Verschattung und eingeschränkte Luftströmung durch die Großen Linden, die an die Nordseite des Gebäudes grenzen und eine rasche Trocknung der Holz Schindeln verzögern.

Überlegungen, einen langlebigeren Belag als Holz-Schindeln zu wählen, gestalteten sich sehr schwierig. Alternativen wie Schiefer, Kupfer oder Zink erwiesen sich als nicht finanzierbar oder schieden aus Gewichtsgründen aus. Auch mussten die Materialien mit dem Amt für Denkmalpflege abgestimmt werden, hier war man sich über einen alternativen Belag allerdings nicht einig.

Letztlich haben wir uns wieder für die Eindeckung mit Holz-Schindeln entschieden, wie sie auch schon 1991 der damalige Leiter der Denkmalpflege, Herr Dr. Sobottka, empfohlen hatte, da die Holzschindeln das Erscheinungsbild der Anlage maßgeblich prägen.

Bei der Auswahl des Holzes wurde auf gute Qualität geachtet (Yellow Cedar), außerdem wurden die Schindeln nicht wie vorher maschinell gesägt, sondern beiderseitig manuell gespalten. Durch dieses Verfahren bleibt die Zellstruktur des Holzes erhalten und macht es damit widerstandsfähiger gegen Feuchte.

Mit der jetzt erstellten Hinterlüftung der Schindeln im Firstbereich wird es uns gelingen, die Lebensdauer des Daches auf mindestens 40 Jahre zu verlängern.

Die Linden auf der Rückseite wurden großzügig eingekürzt und die beiden großen auf der Seeseite stehenden Pappeln gefällt, da diese in den 50iger Jahren zu dicht am Gebäude gepflanzt wurden

und damit nun eine Gefährdung für das Gebäude darstellten. Nur die große Kastanie ist in respektvollem Abstand stehengeblieben.

Bei regelmäßiger Pflege (Reinigung von Laub und Moos) sollten alle diese Maßnahmen die Haltbarkeit des Holzschindeldaches deutlich verlängern.

Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem Unternehmen, das die Technik beherrschte und auch einigermaßen kostengünstig durchführen konnte. Unser Architekt, Herr Stefan Bruns, ließ nicht locker und hat letztlich die Fa. Fischer aus Münzow / Leizen an der Müritz gefunden, die das Dach in knapp 11 Wochen fertigstellten; veranschlagt waren 4 Monate. Am 05.03.19 wurde mit den Arbeiten begonnen, die am 16.05.19 fertig gestellt werden konnten.

Die gesamte Baumaßnahme hat fast 170.000 € verschlungen. Mit dieser Summe war der Haushalt des Lübecker Yacht-Clubs völlig überfordert. Die Finanzierung wurde möglich durch großzügige Spenden der Possehl-Stiftung, der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck sowie durch Fördergelder des Landessportverbandes Schleswig-Holstein und der Hansestadt Lübeck, Bereich Schule und Sport und der Denkmalpflege. Allen Sponsoren sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt für die großartige Unterstützung.

Dr. Eberhard Lassen

Schatzmeister des LYC e.V.

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